Holzschweine: Endlich 40!
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Von: Christoph Motog am 1. November 2026, 17:45 Uhr
Unumstrittene Stars beim Herbstwochenumzug 2026: die drei Geburtstagsschweinchen. ﹘ Foto: Aeralyn Rudnick
Lippstadt – Peter Meier ist nicht nur Vater der Lippstädter Holzschweine; der Bildhauer hat seit den 1980er-Jahren zahllose Tiere für etliche Städte gestaltet – sodass längst ein ganzer Zoo zusammengekommen ist.
Allein die Zahl seiner Schweine schätzt der Frankfurter auf über 100. Dennoch nehmen die drei Lippstädter Exemplare für ihn eine Sonderrolle ein: Eine vergleichbare Fangemeinde hat keine seiner anderen Arbeiten auch nur annähernd. Erfahren hat der Bildhauer von dem einzigartigen Schweinchenkult indes erst im Frühjahr 2026, als er die drei Lippstädter Maskottchen nachbaute, weil die alten mittlerweile allzu morsch geworden waren.
Wegbegleiter
Zur Sprache kam das beim Festakt „40 Jahre Holzschweine“, der nach dem Herbstwochenumzug in der Jakobikirche startete. Lippstadts Zentrenmanager Leon Brintrup hatte ein Podiumsgespräch anberaumt, an dem neben Peter Meier noch vier weitere Wegbegleiter der Schweinchen teilnahmen: Martin Harder vom Baubetriebshof, der als „Pate“ für ihre Pflege und Reparatur zuständig ist, der ehemalige Stadtdirektor Klaus Karl Kaster, Wilhelm Sprenger vom Verein für unsere Kinder sowie Blicker-Redakteur Christoph Motog, dem zu verdanken ist, dass das dritte Schwein 2006 nach jahrelangem Verschwinden wieder auftauchte.
Muttersau
Manche glauben, dass es sich bei den Lippstädter Maskottchen um drei Freunde handelt. Für andere sind sie Vater, Mutter und Kind – oder Geschwister. Für Holzschweine-Papa Peter Meier handelt es sich indes um eine Muttersau, die einen „Jährling“ (bzw. Jungschwein) und ein Ferkel mit sich führt. „Aber das darf jeder gerne so interpretieren, wie er möchte“, sagt der Bildhauer, der den Entstehungsprozess nicht vergessen hat. Zunächst erstellte man seinerzeit Tonmodelle, um ein Gefühl für die Größenverhältnisse zu bekommen. Die eigentlichen Schweine wurden später nicht etwa aus Eiche, sondern aus einem noch widerstandsfähigeren Holz aus Afrika gebaut, das jedem westfälischen Landregen trotzt: Kambala. Für Meier steht fest: Schweine aus Eiche hätten nicht 40 Jahre gehalten.
Löcher-Hürde
Die größte Herausforderung für den Bildhauer waren indes die Steinrollen – „wir konnten uns zunächst nicht vorstellen, wie man dort passende Löcher hineingebohrt bekommt“. Am Ende fand sich aber eine Lösung – und die „Rollende Schweinerei“, so Peter Meiers Arbeitstitel für sein Werk, erwies sich nicht nur in Lippstadt, sondern auch in Bayreuth und ein paar weiteren Städten als praxistauglich.
Vandalismus
Martin Harder berichtete, dass der Bauhof jeden Montagmorgen bei der obligatorischen Kontrolle der Langen Straße auch nach den Schweinchen schaut. Falls die Drei mal nicht in ihrem Revier sind, „erkundigen wir uns bei den Kehrmaschinenfahrern nach ihrem Verbleib – diese Kollegen sind ja schon ab fünf Uhr morgens unterwegs und haben jede Gasse und Ecke im Blick“. Harder hat in den vergangenen Jahrzehnten manchen Streifen mit den Holzschweinen mitgemacht. Immer wieder gab es Vandalismus. Zum Beispiel 2012, als die Schweine am Augustinerweg in die Lippe gerollt wurden. Das mittlere und das kleine Schwein gingen komplett unter. „Wir hätten sie nicht entdeckt, wann das große Schwein dank seines Volumens nicht so viel Auftrieb gehabt hätte, sodass wenigstens sein Kopf ein Stück aus dem Wasser ragte.“ Um die Schweine wieder an Land zu hieven, musste ein Bagger her.
Jux muss sein
Kleinere Aktionen aus Übermut, wenn etwa Jugendliche an den Holzschweinen lautstark ihre Kräfte messen, sieht Peter Meier indes gelassen: „Es ist nun einmal ein Spielzeug, und Jux wird gebraucht.“ Und wenn er mal von Kritzeleien an von ihm gebauten Tieren erfährt, zeigt er sich erstaunlich nachsichtig: „So etwas bedeutet natürlich auch eine Art Inbesitznahme der Leute. Sie nehmen die Schweine an und gestalten sie weiter.“
Bis anno 2065
Bei ihrem Neubau im Frühjahr standen Peter Meier die alten Schweine geduldig Modell. Werden die Nachfolger auch 40 Jahre halten? „Davon bin ich voll überzeugt“, antwortete der Bildhauer. Na dann: Wenn Lippstadt nicht vorher untergeht, dürften die Holzschweine auch anno 2065 noch die Lange Straße rauf und runter rollen.