Biergarten berücksichtigen

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Von: Christoph Motog am 24. September 2026, 16:41 Uhr

Kommentar: Kneipen sind unverzichtbare Teile der städtischen Infrastruktur, sie sind „Dritte Orte der Begegnung“, die in einer Zeit massiv zunehmender Polarisierung zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen, so der Dresdner Politologe Oliviero Angeli oder auch der Kasseler Politik-Professor Wolfgang Schroeder. Beide sind überzeugt, dass der in Kneipen stattfindende Austausch ein probates Mittel gegen Politikverdrossenheit ist. Laut Schroeder gilt es, dem anhaltenden Kneipensterben entgegenzuwirken – der Wissenschaftler hat gar ein Bundesprogramm für 10.000 neue Kneipen vorgeschlagen. Bevor man so etwas auf den Weg bringt, sollte man indes zunächst anstreben, vorhandene Gaststätten zu schützen und zu stärken. Auch in Lippstadt schreitet das Kneipensterben seit vielen Jahren voran. Jenseits von Poststraße und Lange Straße Nord ist nicht mehr viel übrig. Die einst überregional bestaunte „Längste Theke Ostwestfalens“ ist seit Langem Geschichte.

 

Theo und Chrysanthi Nastopoulos sind in zweiter Familiengeneration Gastronomen mit Leib und Seele, im äußersten Süden der Lippstädter Altstadt. Sie haben Zeit, Geld und Herzblut in ihre „Gaststätte zum Güterbahnhof“ investiert und sind besonders stolz auf ihren kleinen Biergarten schräg gegenüber der Tanzschule. Der lauschige Außenbereich ist durch die aktuellen Planungen der Stadt allerdings in Frage gestellt, er soll weitgehend weichen, zugunsten einer Busspur und -Haltestelle. Rund 500 Bürger unterschrieben in diesem Sommer eine Petition zum Erhalt des Biergartens. Immerhin zeigen die Planer guten Willen und haben den Geschwistern Nastopoulos eine Ausweichfläche um die Ecke, westlich vom Eingang angeboten – heißt: direkt an der Hospitalstraße. Was gut gemeint ist, dürfte sich im Realisierungsfall indes als Schildbürgerstreich entpuppen: Außengastronomie direkt an der Wohnstraße führt mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Problem, dass es hier bislang nicht gab: regelmäßige abendliche Lärmbelästigung für die Nachbarschaft der Kneipe an der Hospitalstraße.

Dass die Stadtverwaltung den Bereich im äußersten Süden der Cappelstraße im Hinblick auf das neue Stadthaus verkehrstechnisch optimieren möchte, ist legitim, notwendig und unterstützenswert. Gleichzeitig gilt es jedoch, über viele Jahrzehnte gewachsene Kiez-Strukturen ernst zu nehmen und zu berücksichtigen. Die Fahrbahn zwischen der Kneipe und dem gegenüberliegenden Tanzschul-Komplex ist ausnehmend breit und bietet genug Optionen, die Verkehrsplanung unter Berücksichtigung des bestehenden Biergartens zu überarbeiten. Dann klappt’s auch weiter mit den Nachbarn – und ein wichtiger sozialer Treffpunkt in Lippstadt wird nachhaltig gestärkt.