Fünf Tage in der Wolfshütte: Circle Sky
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Von der Redaktion am 29. Januar 2026, 16:15 Uhr
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Haben schon zu Schulzeiten zusammen Musik gemacht. Tom Wecker (l.) und Oliver Frank. Foto: Matthias Gödde
Das Album erscheint am 30. Januar 2026.
Lippstadt - Die Spannung war groß, als der Lippstädter Singer-Songwriter Oliver Frank vergangenen Herbst mit seinem Kölner Duo-Partner Tom Wecker für eine Albumproduktion nach England fuhr. Würde die Zusammenarbeit mit dem Produzenten Ed Harcourt funktionieren? Wie würde es sich anfühlen, eine komplette Woche in Studioatmosphäre eigene Songs aufzunehmen?
Konzert mit Folgen
Die Geschichte ihres Albums „5 Days in October“ nahm im Herbst 2024 ihren Anfang, als Oliver in Holland ein Konzert des von ihm überaus geschätzten Ed Harcourt besuchte. Nach dem Gig nutzte er die Gelegenheit zum Gespräch mit dem britischen Musiker, der gern in Kontakt mit seinen Zuhörern tritt. Der Abend in Amsterdam hatte Folgen, denn der in der Grafschaft Oxfordshire lebende Ed ist nicht nur als Singer-Songwriter aktiv: Er arbeitet auch für andere Künstler und hat sich dafür schon vor Jahren ein professionelles Aufnahmestudio in einer Gartenhütte eingerichtet – die „Wolf Cabin“ (zu Deutsch: Wolfshütte). Hier hat er sich einen exzellenten Ruf als Toningenieur, Produzent und Begleitmusiker erarbeitet; zu seiner Kundschaft gehören Namen wie die Pop-Ikone Sophie Ellis-Baxtor („Groovejet“).
Zehn statt vier
Weil Olivers Duo-Partner Tom die Musik von Ed Harcourt ebenfalls sehr schätzt, kamen die beiden auf die Idee, ihren Traum eines gemeinsamen Albums in dessen „Wolf Cabin“ wahr werden zu lassen. „Wir haben dann einfach mal angefragt, und er hat tatsächlich schnell reagiert und Interesse signalisiert.“ Der Plan war, bei ihm nur jene drei, vier Lieder aufzunehmen, die bereits fertig geschrieben waren. „Wir haben uns dann gesagt: Damit diese Songs richtig gut werden, müssen wir vor der Fahrt nach England auf jeden Fall noch intensiv proben.“ Die Sessions verliefen jedoch anders als geplant: „Wir haben fleißig weiter komponiert, sodass am Ende zehn Lieder fertig waren“, sagt Oliver.
Geteilte Vorlieben
Dass ihnen das gemeinsame Songwriting leicht von der Hand geht, liegt zum einen daran, dass beide schon zu Schulzeiten miteinander Musik gemacht haben. Zum zweiten teilen sie viele musikalische Vorlieben – beide sind große Beatles-Fans, beide lieben die Gesangsharmonien von Crowded House, beide sehen Simon and Garfunkel als Fixstern, beide mögen den Southern Rock von Tom Petty. „Aus all diesen Einflüssen versuchen wir dann, unser eigenes Ding herauszudestillieren.“
Die eigene Vision
Ende Oktober 2025 war es soweit: Oliver und Tom fuhren nach Oxfordshire. „Wir waren gut vorbereitet und hatten unsere Songs fertig arrangiert – wir wollten dort ja nicht bei null anfangen, sondern die Zeit effizient nutzen.“ Bei einer Videokonferenz hatte Ed den beiden vorher klar gemacht: „Ihr müsst eine eigene Vision mitbringen. Ich bin ja kein Produzent, der Musikern sagt, ,So und so läuft das’. Sondern ich bin einer, der andere als eine Art Sprungbrett unterstützt.“ Doch würden die beiden Musiker aus NRW wirklich dem Anspruch genügen können, den so ein Vollprofi hat? Sie konnten. Tom und Oliver ernteten viel Lob von Ed Harcourt, der mit vollem Herzen in der Arbeit mit ihnen aufging. „Zu erleben, wie Ed unsere Songs mit seiner Kreativität bereichert, war schon ein geniales Erlebnis“, sagt Tom.
Vintage-Orgel
Ed Harcourts Beitrag ging weit übers reine Produzieren hinaus. „Zum einen hatte er coole Arrangement-Ideen, zum anderen hat er bei den Aufnahmen mitgespielt – mal an den Drums, mal am Bass, mal am Keyboard, mal als Hintergrundsänger. Anstatt lange zu überlegen, ging er dabei sehr spontan vor, und fast immer lag er von Anfang an richtig.“ Toll war auch, dass bei Ed ein Riesenfundus an Vintage-Instrumenten bereitliegt, wo sich die beiden nach Belieben bedienen durften. Was sie auch taten: Am Ende der vorab veröffentlichten Single „Face my fear“ ist zum Beispiel eine alte elektronische Orgel aus Ed Harcourts „Museum“ zu hören.
Kontrastgespür
Ursprünglich wollten Tom und Oliver alle zehn mitgebrachten Stücke aufnehmen. Am dritten Tag wurde ihnen aber klar, dass das kaum in den gebuchten fünf Tagen zu schaffen ist. „Konzentrieren wir uns lieber auf acht Songs“, lautete der Beschluss. Gute Entscheidung: „5 Days in October“ ist ein ebenso stimmiges wie abwechslungsreiches Album geworden. Und Circle Sky ist keine jener Bands, bei der jeder Song wie der andere klingt. Es ist ihr Gespür für Kontraste, das den Unterschied macht. Da ist der Wechselgesang aus Toms tiefer und Olivers hellerer Stimme – besonders auffallend im Song „Beneath the circle sky“. Da gibt es emotionale Wechselbäder wie in „Face my fear“. Da kontrastieren gesellschaftskritische („Madman on the loose“) mit persönlichen Songs („As if“). Und all die Gegensätze ergeben das gewisse Etwas.
„5 Days in October“ wird am 30. Januar 2026 auf den gängigen Streaming- und Download-Portalen veröffentlicht. Im Frühjahr erscheint das Album auch auf Vinyl. Weitere Infos finden sich auf Instagram (@circleskymusic).
Am Mittwoch, 25. Februar 2026 sind Circle Sky ab 19 Uhr live in Lippstadt zu erleben: Oliver und Tom machen in der Tivoli Lounge den Support für das norwegische Duo Paper Crown. Los geht es um 19 Uhr, der Eintritt ist frei.