Ankurbeln tut Not 

"Trotz der ganzen Situation bin ich immer noch hoffnungsvoll. Ich setze darauf, dass die Leute das Feiern nicht verlernt haben", sagt DJ Michael Duhme. Foto: Motog

"Trotz der ganzen Situation bin ich immer noch hoffnungsvoll. Ich setze darauf, dass die Leute das Feiern nicht verlernt haben", sagt DJ Michael Duhme. Foto: Motog

Lippstadt - Der DJ und der Lockdown: Im vergangenen Mai sprachen wir mit Michael Duhme über seinen Umgang damit, den Beruf nicht ausüben zu können. „Man möchte das Rad im Hintergrund wenigstens etwas am Laufen halten“, sagte der Lippstädter damals. Zehn Monate später hat Michael Duhme alias MiDu mit der gleichen Situation zu kämpfen, die sich angesichts ihrer Dauer aber noch massiv verschärft hat. Von „Das Rad am Laufen zu halten“ könne längst keine Rede mehr sein, sagt er. Stattdessen gehe es darum, „Das Rad wieder ans Laufen zu bringen“, macht „Meikel“ im Gespräch mit Blicker-Redakteur Christoph Motog klar.

 

Wie sieht dein derzeitiger Alltag aus?

DJ Michael: Ich versuche weiterhin, mich musikalisch auf dem Laufenden zu halten. Mein Tagesgeschäft besteht vor allem darin, Veranstaltungen zu verschieben und umzuplanen. Es gab ja 2020 viele Hochzeiten, die auf 2021 verlegt wurden. Diese werden nun aufgrund des aktuellen Lockdowns und der anhaltenden Ungewissheit abermals um ein Jahr nach hinten geschoben, also von 21 auf 22. Hinzuzufügen ist allerdings, dass es auch einige Totalabsagen gab: Manche, die ursprünglich ganz groß feiern wollten, haben im vergangenen Herbst coronabedingt im kleinsten Kreis geheiratet und dabei auf musikalische Begleitung verzichtet.

 

Wie gehst du persönlich mit der anhaltenden Ungewissheit um? 

DJ Michael: Vor zehn Monaten hatte ich mich ja im Hinblick auf die Herbstwoche 2020 optimistisch geäußert. Bekanntlich ist es anders gekommen, auch Karneval ist jetzt flachgefallen. Ich befürchte manchmal, dass nach so einem langen Lockdown das Feiern als nicht mehr so relevant angesehen wird, wie es eigentlich ist. Heißt: Dass mancher nun schon daran gewöhnt ist, sich mit wenig zufrieden zu geben und zu Hause auf dem Sofa zu konsumieren. Das bezieht sich jetzt nicht nur auf Feierlichkeiten im engeren Sinne, sondern auf alle möglichen kulturellen Veranstaltungen. Es wird ja nun schon seit geraumer Zeit viel runtergebrochen und gestreamt. Wenn am Ende trotzdem alles wieder so werden soll wie es 2019 war, müssen Kulturschaffende eine Menge Überzeugungsarbeit leisten. Ein Selbstläufer wird das jedenfalls nicht. 

 

Du gehörst zu den DJs, die vor einem Jahr mit Live-Streams angefangen haben. Wie hat sich das entwickelt? 

DJ Michael: Bis heute haben wir fünf Stream-Abende veranstaltet. Bei den ersten Terminen war die Resonanz sehr gut. Inzwischen ist es allerdings weniger geworden, weil die Leute so viel online sind wie noch nie – und manche daher nicht auch noch am Wochenende am Laptop sitzen wollen. Trotzdem mache ich weiter, das Streamen bleibt bis aus Weiteres meine einzige Möglichkeit, etwas für die Feier-Community zu tun. Der nächste Termin ist Karsamstag, 3. April, dann heißt es wieder Klassentreffen Easter Dance. 

 

Vorausgesetzt, dass der Lockdown gelockert wird: Was steht in den kommenden Monaten an? 

DJ Michael: Der Plan und die Hoffnung ist, am 7. August das 15-jährige Bestehen unserer Partyreihe Klassentreffen zu feiern. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird das ein reines Open Air, denn ich glaube nicht, dass etwas anderes genehmigt würde. Ich kann mir auch Schützenfeste in der anstehenden Saison kaum in der Halle vorstellen, zumal die Impfkampagne viel länger dauern dürfte als ursprünglich erwartet. Großveranstaltungen werden daher auf absehbare Zeit nur draußen stattfinden. Und noch ein Wort zum Klassentreffen-Jubiläum: Inzwischen kann ich mir sogar vorstellen, das auf dem Dancefloor mit Masken getanzt wird. Anfangs fand ich das unvorstellbar, mittlerweile wäre ich aber froh darüber.

 

Wie hat sich deine wirtschaftliche Situation entwickelt? 

DJ Michael: All die erlittenen Verluste kann man natürlich nicht wieder aufholen. Immerhin habe ich, wenn auch mit Zeitverzögerung, die versprochenen staatlichen Überbrückungshilfen bekommen. Allerdings weiß ich von vielen Fällen, wo die Auszahlung schleppend läuft. Ich kenne übrigens auch Kollegen, die das DJing aufgegeben haben und wieder in ihre alten Berufe gegangen sind.

 

Neben dem Klassentreffen in Cosacks Brennerei hast du zwei weitere Partyreihen etabliert: die „80/90‘s Dance Xplosion“ und das „70’s Nightfever“ in der Tivoli Lounge. Wie sind da die Perspektiven? 

DJ Michael: Angesichts der Umstrukturierungen und des Betreiberwechsels am Tivoli ist derzeit noch nicht klar, ob wir dort weiter feiern können. Es wäre natürlich schön. Ansonsten muss man sich nach Alternativen umschauen. 

 

Vielen Dank für das Gespräch Michael … 

DJ Michael: Einen Moment bitte, ich möchte abschließend noch was loswerden. Trotz der ganzen Situation bin ich immer noch hoffnungsvoll. Ich setze darauf, dass die Leute das Feiern nicht verlernt haben. Und, wie gesagt, ich blicke auch auf andere Kulturinstitutionen. Zum Beispiel aufs frisch renovierte Stadttheater, das möchte ja auch bespielt werden. Ich hoffe, dass bald alles Step by Step wieder anläuft!