Platten von der Palette

Michael Langewender präsentiert das Album eines Künstlers, der schon im Langenberger KGB gespielt hat und hier voraussichtlich im Januar wieder spielen wird: Ian Fisher. Fotos: Motog

Das Sortiment ist ans Bühnenprogramm des Langenberger Kulturgüterbahnhofs (KGB) angelegt und enthält sämtliche Veröffentlichungen des Tonetoaster-Labels.

Vinylplatten sind im "Sound Store" gefragter als CDs.

Michael Langewender präsentiert das Album eines Künstlers, der schon im Langenberger KGB gespielt hat und hier voraussichtlich im Januar wieder spielen wird: Ian Fisher. Fotos: Motog

Das Sortiment ist ans Bühnenprogramm des Langenberger Kulturgüterbahnhofs (KGB) angelegt und enthält sämtliche Veröffentlichungen des Tonetoaster-Labels.

Vinylplatten sind im "Sound Store" gefragter als CDs.

Von Christoph Motog

 

Langenberg - Ein Plattenladen kann das Gefühl erwecken, durch eine Schatzkammer zu wandeln. Musikenthusiasten vergessen da die Zeit, stöbern in den Kisten, freuen sich über obskure Cover, schielen neugierig auf Fundstücke anderer Kunden und gehen am Ende bereichert hinaus – egal ob sie was gekauft haben oder nicht. Leider sind Plattenläden eine fast ausgestorbene Spezies, die meisten verschwanden schon vor über zehn Jahren. Das Geschäft war seit Beginn des dritten Jahrtausends immer mehr eingebrochen. In Lippstadt schloss mit „Stone Free Music“ Ende 2008 der letzte Record Store. Seitdem gibt es in der Region keine Adresse mehr, die Neuveröffentlichungen jenseits des Mainstreams anbietet.

 

Zwölf Jahre danach ist ein kleines Revival eingeläutet worden. Wenige Meilen nördlich von Lippstadt, am Rande der ostwestfälischen Provinz in Langenberg, begann im Juni die Ära „Sound Store“ – ein mobiler Plattenladen in der Größe einer Europalette, der bei Konzerten, und Festivals zum Stöbern durch Vinyl und CDs einlädt. Es ist aber nicht nur ein Pop-up-Shop, es gibt auch einen Stammsitz: Zu vorher angekündigten Zeitpunkten öffnet der Laden am Grünen Weg 10 (Gebäude der Firma Milacor) in Langenberg.

 

Michael Langewender hat sich damit einen Traum erfüllt. „Die Lust hat auf die Möglichkeit getroffen“, sagt der Betreiber des Labels Tonetoaster, Im Zuge der Corona-Einschränkungen fand er im Frühling Zeit, endlich mal seinen Online-Shop aufzuräumen. Es geschah beim Sortieren der Tonträger: Als er zwei Plattenboxen auf einer Palette gegenüberstehen hatte, kam die Eingebung. „Es macht so viel Spaß, sich durch Platten durchzuwühlen – das wäre doch was.“ Der Beschluss war gefasst, und Michael holte sich Rat bei einem, der sich auskennt: Mario Luesse. Der langjährige „Stone Free“-Betreiber erteilte dem Langenberger einen telefonischen Crashkurs. Seitdem weiß Michael, wie man an die ausgefallensten Alben kommt, obwohl sie scheinbar kein Händler besorgen kann.

 

Angeboten wird im „Sound Store“ nichts X-Beliebiges von A bis Z, sondern vornehmlich Singer-/Songwriter-Musik, Folk, Alternative-Rock und Punk. Das Sortiment ist ans Live-Programm des Langenberger Kulturgüterbahnhofs (KGB) angelehnt und enthält sämtliche Tonetoaster-Veröffentlichungen. Hinzu kommen ein paar Exoten, darunter der Partyhymnen-Sampler „Spirit of the 90ies“ – doch was nach einem Ausrutscher aussieht, erfüllt einen Zweck: Über Stilbrüche komme man mit den Leuten ins Gespräch, erklärt Michael.  

Wer kauft im „Sound Store“ ein? Es sind Musikbegeisterte, die meist über 30, oft schon über 40 Jahre alt sind. Vinylplatten sind gefragter als Silberlinge. Das Ende der 80er totgesagte LP-Segment wird immer größer. Dass jetzt in vielen Haushalten wieder ein Plattenspieler steht, führt dazu, dass manche sich ein bestimmtes Album als LP kaufen, obwohl sie das Werk schon lange als CD besitzen.

 

Aktuell sind fünf Plattenfächer und vier CD-Fächer bestückt. Bestellungen nimmt Michael auch an. Neben den Tonträgern findet sich am Grünen Weg ein erweitertes Sortiment mit Postkarten und ausgewählten Büchern, die mit KGB-Veranstaltungen in Verbindung stehen.

 

Der Netzauftritt des „Sound Store by Tonetoaster“ findet sich unter „facebook.com/plattenpalette“. Interessierte können sich in eine Whatsapp-Gruppe aufnehmen lassen, wo über Neuware informiert wird und Öffnungszeiten angekündigt werden.

 

PS: Der Langenberger Plattenladen ist auf Neuware spezialisiert. Wer aber Second-Hand-Tonträger sucht, wird im Geseker Schallplattenladen "Schachmatt" am Hellweg 46 fündig. Ein weiterer Shop, speziell für Vinyl-Liebhaber, ist die "Plattenkiste" am Beethovenweg 10 in Neubeckum.