„007 – Live and Let Die“: Roger Moores Filmtagebücher

Der James-Bond-Darsteller schrieb das Buch zu einer Zeit, in der ungehemmt geraucht, getrunken und den Frauen hinterhergepfiffen werden konnte.

Lippstädter Kinowerbung: erschienen am 16. November 1973 in der Tageszeitung Der Patriot.

Der James-Bond-Darsteller schrieb das Buch zu einer Zeit, in der ungehemmt geraucht, getrunken und den Frauen hinterhergepfiffen werden konnte.

Lippstädter Kinowerbung: erschienen am 16. November 1973 in der Tageszeitung Der Patriot.

Von Christoph Motog  

„Mein Name ist Bond.“ Als Roger Moore diese Worte 1972 zum ersten Mal ausspricht, nimmt er nicht ohne Erschrecken den schottischen Akzent in seiner Stimme wahr. Daraufhin gesteht Moore seinem Regisseur Guy Hamilton, bei der Lektüre des Drehbuchs nur die Stimme seines Bond-Vorgängers Sean Connery gehört zu haben. Der Regisseur sieht die Sache gelassen und sagte nur: „Schau mal, Sean war Sean und du bist du, und so wird das jetzt auch laufen.“

 

Die Neubesetzung des Geheimagenten ist nicht ohne Risiko. „Was macht der alte Typ mit unserem Bond?“, fragen eingefleischte Fans der Reihe, ist der Neue doch bereits Mitte 40 und ein ganz anderer Typ als der stramm maskuline Connery. Roger Moore interpretiert James Bond humorvoller, spielt die Rolle mit augenzwinkernder Selbstironie. Er fällt vom Himmel, und sein Anzug sitzt nach dem Aufprall so perfekt wie frisch aus der Reinigung. Sämtliche Weltrettungs-Missionen scheinen für Moores 007 nur Mittel zum Zweck, um schöne Frauen zu vernaschen, gute Drinks runterzuspülen und die neuesten waffentechnischen Sperenzchen auszuprobieren.  

Und es funktionierte. „Live and Let Die“ ist bis heute der dritterfolgreichste aller Bonds. Auch die weiteren 007-Filme mit Moore kamen an. Dass seine Bond-Interpretation überaus unterhaltsam war, bestritten selbst eingefleischte Connery-Fans nicht. Der aktuelle 007-Darsteller Daniel Craig bezeichnet „Live and Let Die“ (Leben und Sterben lassen) als den ersten Bondfilm, den er gesehen und in bester Erinnerung behalten habe. „Ich wusste, dass er einen guten Geschmack hat“, kommentierte Roger Moore das Lob seines Vorgängers.  

Um den neuen Darsteller dem Publikum schon vor der Premiere von „Live and Let Die“ vorzustellen, verpflichtete man den sprachgewandten Roger Moore zum Führen eines Tagebuchs. Darin berichtet er von den 84 (von ihm „B-Days“ genannten) Drehtagen – humorvoll, intelligent und politisch nicht immer korrekt. Moore schrieb es zu einer Zeit, in der ungehemmt geraucht, getrunken und den Frauen hinterhergepfiffen wurde. Das Tagebuch liegt seit Ende 2018 auch auf Deutsch vor, als Übersetzer fungierte Alan Tepper aus Langeneicke.  

Moore nimmt den Leser mit in die gefährlichen Sümpfe Louisianas, zu wunderschönen Drehorten auf Jamaika, nach New York und in die Londoner Pinewood-Studios. Er erzählt von spleenigen Kollegen, abgebrochenen Zähnen, Schlangenbissen, aufdringlichen Schaulustigen, nervigen Journalisten und den unvermeidlichen Partys abends nach Drehschluss.

 

Krampf beim Liebesdreh  

Und er erzählt von den Liebesszenen mit den Bond-Girls: 

„Sich nah an die wunderschöne Madeline Smith zu pressen mag wie leicht verdientes Geld klingen und sie auszuziehen wie eine Bonuszahlung, doch beim 20. Take schmerzt der Arm, man bekommt einen Krampf im linken Fuß, während das rechte Knie einschläft. Ein Teil der Schwierigkeiten bestand darin, dass Madelines Kleid nicht weit genug an ihr herabglitt, was teilweise an ihrer recht „tragenden“ Brustanatomie lag. Julie Harris, die Kostümdesignerin, musste sich außerhalb des Kamerawinkels hinknien und ihr das Kleid langsam hinunterziehen. Neben ihr kniete ,Crackers‘, der an einem am Reißverschluss befestigten versteckten Draht zog. Der Boden zu unseren Füßen war also recht bevölkert.

Als ich vom Studio nach Hause kam, fragten mich die Kinder, wie sie es immer tun: ,Daddy, was hast du heute gemacht?‘ Ich war mir nicht so sicher, was ich ihnen erzählten sollte. Ich hätte wohl kaum antworten können: ,Heute morgen war ich mit einer Lady im Bett, und am Nachmittag versuchte ich, ihr 20 Mal das Kleid auszuziehen.‘“  

 „007 – Live and Let Die. Die Filmtagebücher“ ist im Hannibal Verlag erschienen.