Alle Farben: 59 Jahre Palette

?Die Farben sind bunt und lustig verteilt?, schrieb der Patriot am 29. April 1961, dem Tag der Eröffnung. Angesichts des Farbreigens war die Wahl des Kneipennamens ein Selbstläufer: Palette. Der Neonschriftzug prangt bis heute überm Eingang. Foto: Motog

Mit dem scheinbar hochoffiziellen Prädikat ?Bundeskegelbahn? lockt die Palette seit Jahrzehnten. Foto: Motog

?Die Farben sind bunt und lustig verteilt?, schrieb der Patriot am 29. April 1961, dem Tag der Eröffnung. Angesichts des Farbreigens war die Wahl des Kneipennamens ein Selbstläufer: Palette. Der Neonschriftzug prangt bis heute überm Eingang. Foto: Motog

Mit dem scheinbar hochoffiziellen Prädikat ?Bundeskegelbahn? lockt die Palette seit Jahrzehnten. Foto: Motog

Von Christoph Motog

 

Lippstadt- Seine Lieblingsfarbe war bunt. Architekt Günther Brandt nahm 1961 gerne die Chance wahr, Farbe zu bekennen. Der Auftrag lautete, eine neue Lippstädter Gaststätte zu gestalten, und der Planer ließ sich nicht lumpen. „Die Farben sind bunt und lustig verteilt“, schrieb der Patriot am 29. April, dem Tag der Eröffnung. Ins Auge sprangen an der Barbarossastraße 56 eine rote Theke, Buntglasfenster oder die blau bis rostrot abgestufte Decke.

 

Angesichts des Farbreigens geriet die Wahl des Namens zum Selbstläufer: Palette. Die sieben Buchstaben prangen bis heute als geschwungener Neonschriftzug überm Eingang. Hier „werden sich die Gäste sicherlich wohlfühlen“, mutmaßte die Zeitung und behielt Recht. Über Jahrzehnte sollte der Flachbau zu den beliebtesten Treffpunkten im Lippstädter Norden gehören – auch wenn der Schankraum später an farblicher Vielfalt einbüßte. Hellaner trafen hier nach der Schicht auf durstige Rentner. 16-jährige Stadtwaldschülerinnen, die ihre erste Dauerwelle präsentierten, flirteten mit Halb- und Doppeltstarken vom Böbbing und Rüsing, die mit frisierten Mofas vorfuhren. 

 

Die Palette lockte mit günstigen Bierpreisen – und dem scheinbar hochoffiziellen Prädikat „Bundeskegelbahn“. Betagtere Lippstädter Nordlichter verweisen heute etwa gern auf die Zeit von Hasso Roos, der die Palette von den späten 60ern bis in die 80er führte und stets einen fairen Kurs machte. Für fünf Mark durften Kneipensportler zwei Stunden lang in die Vollen gehen und abräumen. 

 

Ende 2013 verwandelte sich die Kneipe ins Centro Español Flamenco, doch für die meisten heißt sie bis heute Palette. Nach knapp 59 Jahren scheint diese Ära allerdings gerade auszuklingen. Es ist fraglich, ob es hier nach dem Ende März anstehenden Abschied der Betreiberfamilie Jurado noch eine gastronomische Zukunft gibt.