Lippstädter Advent 1925

Dem Kupfernen Sonntag am 2. Advent folgten noch der Silberne und der Goldene Sonntag. Bild: Patriot-Archiv

Als die Rathausstraße noch Judenstraße hieß: Cravatten und Korsetten bei Mattenklodt. Bild: Patriot-Archiv

Dem Kupfernen Sonntag am 2. Advent folgten noch der Silberne und der Goldene Sonntag. Bild: Patriot-Archiv

Als die Rathausstraße noch Judenstraße hieß: Cravatten und Korsetten bei Mattenklodt. Bild: Patriot-Archiv

Von Christoph Motog  

Lippstadt - Den Black Friday gab es vor hundert Jahren in Lippstadt nicht, aber drei verkaufsoffene Advents-Sonntage am Stück. Die Arbeitslosigkeit war hier Ende 1925 höher als andernorts, der WMI und anderen Fabriken drohte das Ende. Jeder fünfte Erwachsene bezog Sozialhilfe – doch auf der Langen Straße herrschte Trubel.

 Kupfersonntag

6. Dezember 1925: „Der gestrige ,kupferne Sonntag‘ als Einführung in die Weihnachtsausstellung der Geschäftswelt hatte trotz der grimmigen Kälte eine größere Anzahl Schau- und Kauflustiger von nah und fern herangezogen. … Es herrschte ein reges Leben, ganz besonders in der Langestraße. Die geschmackvolle Innendekoration der Schaufenster sowie die Vielfältigkeit der einzelnen Verkaufsgegenstände liefern den Beweis, daß die Lippstädter Geschäftswelt auf der Höhe ist und in diesem Punkte von der Großstadt nicht mehr übertreffen werden kann.“ Abends fuhr der Nikolaus in Begleitung des Knecht Ruprecht und eines Engels auf einem Schlitten durch die Langestraße. – „Wenn auch der ,kupferne Sonntag‘ mehr der Besichtigung als dem Einkauf galt, ist doch zu hoffen, daß die nächsten Sonntage und Wochentage mehr dem Einkauf dienen werden, was umso mehr zu erwarten ist, als die hiesige Geschäftswelt in anerkennenswerter Weise der in weiten Kreisen herrschenden Notlage dadurch Rechnung trägt, daß sie einen ansehnlichen Rabatt gewährt oder sonst die Preise herabgesetzt hat.

 Silbersonntag

13. Dezember 1925: „Der ,silberne‘ Sonntag, vom schönsten Wetter begünstigt, überbot noch seinen kupfernen Vorläufer durch eine bedeutende Steigerung des Verkehrs. Die Mittagszüge brachten auch gestern neben den vielen, die auf Schusters Rappen zur Weihnachtsausstellung gekommen waren, einen großen Zuzug von Landbewohnern. … Bei Eintritt der Dunkelheit wurde das schöne Bild noch gehoben durch die effektvolle Beleuchtung. – Hoffentlich wird es allen Familien möglich gemacht, wenn auch unter Berücksichtigung der traurigen Wirtschaftslage in bescheidener Weise, den Christbaum mit Gaben für die Lieben schmücken zu können. …“

 Goldsonntag

20. Dezember 1925: „Der ,Goldene Sonntag‘ konnte dem kupfernen und silbernen Sonntag als ebenbürtig betrachtet werden. Von den beiden Bahnhöfen ergossen sich große Scharen der Land-Bevölkerung in die Stadt. Die Langestraße konnte kaum den Verkehr bewältigen. Aber auch die anderen Straßen zeigten ein lebhaftes Bild der wogenden Massen, trotz des Nachmittag einsetzenden Regens. … Von den Reklamemitteln erregte besonderes Aufsehen ein Auto, das alle Arten von Spielwaren und Teddybären mit sich führte. …“ Von Neugierigen belagert war ein Kohlenbergwerk im Schaufenster der Firma Peter Brülle. „ Da sieht man den fleißigen Bergmann in seiner Knappentracht, die Bergmannslampe in der Hand, bei der schweren, gefährlichen Arbeit. Zwerge und Gnomen durchwandeln mit ihm die unterirdischen Gelasse beim Suchen nach den schwarzen Diamanten. Unter und über Tage rollen die Wägelchen ihre Geleise, um die so heißbegehrte Bergmannsgabe aus Licht der Sonne zu bringen. Besonders bei abendlicher Beleuchtung wirkte das Fenster geradezu märchenhaft.“

 Weihnachtsmarkt

23. Dezember 1925: „An Menge der Wagen konnte gestern der Potsdamer Platz in Berlin dem Lippertor nicht gleichkommen, denn dichtgedrängt standen in langen Reihen die Wagen der ländlichen Bevölkerung. Minutenlang stockte trotz aller Bemühungen der Beamten der Verkehr. Für Fußgänger war es wirklich eine Leistung, sich durch diese langen Reihen der Fuhrwerke zu winden. … Eine wogende Volksmenge füllte den Marktplatz. Neben Kuchen und sonstigen Süßigkeiten konnte man auf dem Weihnachtsmarkt alle möglichen Wünsche erfüllen: emaillierte Küchengeräte, Barmer Spitzen, Regenschirme usw. Ein billiger Jakob mit Zylinderhut bot eine Kollektion ,echter‘ Goldwaren an. Zum Preise von einer Reichsmark bekam man eine Herrentaschenuhr mit Klappdeckel, eine gleiche Damenarmbanduhr und hierzu noch je eine ,goldene‘ Kette, zwei mit Perlen und Edelsteinen besetzte Vorstecknadeln sowie eine echte Bernstein-Zigarettenspitze.“